Technikgeschichte als ein Schlüssel zum Gegenwartsverständnis

Das von der Abteilung Technische Bildung durchgeführte Symposion wollte der Frage nachgehen, in wie fern Phänomene und Ereignisse der Technikgeschichte Bestandteil eines zeitgemäßen Technikunterrichts sein sollten. Eine Fragestellung, die Pädagogen und Ingenieure gleichermaßen beschäftigt, wie die bemerkenswerte Teilnahme bestätigte, die die Erwartungen übertroffen hat.

Muss ein Symposion zum Thema Technikgeschichte in Zeiten der Digitalisierung, in Zeiten von Industrie 4.0 oder Big Data nicht anachronistisch erscheinen? Wozu sich mit der Vergangenheit beschäftigen, da sich die Menschheit doch in einer gut funktionierenden Gegenwart mit vielen technischen Raffinessen befindet und ihr eine herrlich technisch geprägte Zukunft winkt? Muss sich das Interesse der Bildner in Sachen Technik daher nicht auf das Bevorstehende richten, weil die Bildungsaufgabe so schon umfangreich genug ist? Absichtsvoll antizyklisch zu den vielfachen digitalen ‚Gipfeln‘ sollte es sein; das am 9. Juli 2018 durchgeführte Symposion, zu dem neben den Studenten auch viele Auswärtige kamen

Kein passenderes Grußwort konnte es sein als das des Rektors und Professors für Praktische Philosophie, der das ethische Argument in den Raum stellte, das bei der Beschäftigung mit Technik unausweichlich ist. Anknüpfend an diese Vorlage konnte Christian Wiesmüller in das Thema einführen und den Ablauf mit den drei Hauptteilen vorstellen.

Erstens stand die Antrittsvorlesung von Privatdozent Dr. Martin Binder auf dem Programm, der sich 2017 an der PH habilitierte. Sein Thema an dem Tag lautete: Verstehensrelevantes Wissen in technikhistorischen Begegnungen. Zweitens konnte die Abteilung Technische Bildung die ‚Streifzüge durch die Technikgeschichte‘ von Winfried Schmayl vorstellen. Der Autor selbst gab Einblick in den Anstoß für das Buch und in den aufwendigen Entstehungsprozess, berichtete von der Mühsal der Quellenarbeit und von der Auseinandersetzung mit Verlagen, gab Einblick in die Überlegungen zur Gestalt des Buches bis hin zur Finanzierung eines anspruchsvoll zu gestaltenden Bandes in der zweiten Auflage. Nach einer Pause entwickelte sich im dritten Teil eine intensive Diskussion, bei der eine Vielzahl von Aspekten zur Sprache kam: methodische, inhaltliche und vor allem auch die Rahmenbedingungen betreffende.

Wiesmüller nutzte die Gelegenheit, weitere Ergebnisse der Arbeit der Technischen Bildung an der PH Karlsruhe und der verbundenen Hochschule für Technik und Wirtschaft bekannt zu machen. So die Publikation von Wolf Bienhaus zum Fachraumsystem (2018), das ein Standardwerk darstellt. So ein im Lektorat befindliches Buch des Kollegen Ludger Fast zur Bewertung im Technikunterricht, das vom Karlsruher Herausgeberverbund von Maja Jeretin-Kopf, Rüdiger Haas und Christian Wiesmüller bei der Steinbeis Edition verantwortet wird. Und so die Bände zur Reihe Technik und Technische Bildung, deren erster Band ‚Technik, kulturelle Entwicklung und technische Bildung‘ schon erschienen ist und deren zweiter Band ‚Technische Kreativität‘ im Druck befindlich ist.

Beim gemütlichen Abschluss am studentischen Grill schließlich konnten die Teilnehmer die experimentelle Archäologie zur Technik der Römer handgreiflich erleben, die ‚Agrimensor‘ Lothar Weis in Stationen aufbaute.

Autor: Christian Wiesmüller

 

Vielleicht weil es in Zeiten stattfand, in denen alles von Digitalisierung redet, fand das Symposion zur Bildungsbedeutung
von geschichtlicher Technik großen Zuspruch.

 

 

 

 

Wer von den Ãlteren hatte es nicht in Händen: das W 48 Telefon. Binder zeigte, welche technischen Finessen es auszeichnete und welche gesellschaftlichen Auswirkungen die um sich greifenden Telefonie hatte. Mit Lernanstößen für die heutige Zeit!

 

 

 

 

Auch ein Treffen der Generationen: Prof. Dr. Schmayl, PD Dr. Martin Binder, Prof. Sachs und Prof. Dr. Christian Wiesmüller

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