Das Fachraumsystem

Das Raumprogramm des Technikunterrichts besteht in der Regel aus einem Verbund von funktional und räumlich zusammenhängenden Fachunterrichtsräumen und  Nebenräumen, die hier als Fachraumsystem TECHNIK bezeichnet werden. Dieses sollte im Normalfall aus einer Grundeinheit aus Technikfachraum, Maschinenraum, Lager/Magazin und eventuell Sammlungs- und Vorbereitungsraum bestehen, die je nach Größe bzw. Zügigkeit der jeweiligen Schule zu erweitern ist.


TECHNIKFACHRAUM

Der TechnikfachraumDer Technikfachraum bzw. bei größeren Schulen zwei oder drei Technikfachräume sind von den Nutzungsmöglichkeiter her multifunktional und universell angelegt (Universalfachraum). Sie bilden das Zentrum des Fachraumsystems mit einer zwingenden räumlichen Verbindung zum Maschinenraum und dem Lager bzw. Magazin. Dieses räumliche Ensemble ist das Herzstück des Fachraumsystems des allgemeinbildenden Technikunterrichts.
Dem Eingangsbereich ist aus Gründen der Sicherheit und der Verkehrswege sowie unterrichtspraktischer Gesichtspunkte besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Im Zentrum des Technikfachraums befindet sich die Praxiszone, ausgestattet mit Universalwerkbänken, passenden Sitzgelegenheiten und Energieversorgung, sodass alle Formen handlungsorienterten, praktischen Lernens erfolgen können.
Je nach gewählten Lernformen und unterrichtsbedingten Anforderungen sollte die Möblierung umgruppiert werden können (Mobilität).
Geeignete, strukturierte Unterbringungsmöbel für einen direkten Zugriff auf Werkzeuge, Hilfsmittel, Handmaschinen, Kleinmaterialien, …

Konstruktionsmittel usw. sind unabdingbar für einen reibungslosen Unterrichtsverlauf mit möglichst kurzen Verkehrswegen und Rüstzeiten.
Stationäre, auf einer Reihenwerkbank und/oder Werkbankwagen bzw. Maschinenwagen montierte stationäre Kleinmaschinen einschließlich der zwingend dazugehörigen Staubabsaugung bilden innerhalb des Technikfachraums einen eigenen Funktionsbereich.
Die räumliche Organisation des Technikfachraum ist so anzulegen, dass im “Tafelbereich” ausreichend Platz für Präsentations-, Instruktions- und Theoriephasen vorgehalten wird.
Ein Recherche- und Selbstlernbereich, in dem Schülerinnen und Schüler selbstständig technikspezifischen, themenbezogenen Fragestellungen nachgehen können, dient der zeitgemäßen Erweiterung der fachspezifischen Lernformen im Technikunterricht.
Eine funktionell ausgestattete Nasszone ist nicht nur aus hygienischen, sondern gleichermaßen für die Durchführung bestimmter praktischen Arbeiten unverzichtbar.


FEINARBEITSRAUM / FACHRAUM FÜR TECHNISCHE INFORMATIK

FeinarbeitsraumAus der Bezeichnung “Feinarbeitsraum” geht bereits hervor, dass es sich um einen Fachraum eingeschränkter Multifunktionalität handelt, der für Arbeiten, die auf Schmutz- und Staubfreiheit angewiesen sind, ausgelegt ist. Eine entsprechend angepasste Ausstattung und räumliche Anbindung an das übrige Raumprogramm wird vorausgesetzt, eine Anbindung an einen Maschinenraum ist nicht zwingend.
Im Großen und Ganzen folgt die Unterteilung des Feinarbeitsraums nach Aktions- und Funktionszonen der des Technikfachraums. Einen Unterschied  bilden die Schülerarbeitsplätze mit kunststoffbeschichteten Tischplatten statt der üblichen Werkbänke oder mit zusätzlichen Abdeckplatten auf die Werkbänke. Sie bilden eine (zusammenhängende), zentrale Arbeitszone. Ausschlaggebend für seine Einrichtung sind unterrichts- und arbeitsökonomische Gegebenheiten, die aus der besonderen unterrichtlichen Praxis erwachsen.
Da der Feinarbeitsraum eine Art “Sauberraum” darstellt, eignet er sich für die Arbeit mit Konstruktionsmedien, zur Durchführung von Aufgaben der Elektronik und Elektromechanik, für alle Formen computerunterstützten und computerkontrollierten Arbeitens:  Messen, Steuern und Regeln bis hin zur Robotik (“Technische Informatik”).

Darüberhinaus werden im Feinarbeitsraum auch nicht Schmutz erzeugende Demontagen, Dokumentationsarbeiten und Präsentationen  durchgeführt.
T
hemen und Projekte der technischen Informatik spielen einschließlich ihrer elektronischen Grundlagen  im Technikunterricht eine  wichtige Rolle und erfordern zusätzlich eine sehr spezielle gerätetechnische, maschinelle und sicherheitstechnische Ausstattung. Die besonderen Anforderungen an die energetische und informations- und datentechnische Ausrüstung sind in der Regel  im “normalen” Technikfachraum so nicht anzutreffen bzw. realisierbar.
Da es in der Hauptsache um Datenverarbeitung mit dem Ziel der Steuerung und Regelung auf Modellebene und anhand von schülergerechten NC-/CNCMaschinen geht und darum, die entsprechenden elektronischen und informationstechnischen Voraussetzungen möglichst handlungsorientiert zu erarbeiten, wird die Trennung der Computerzone von der Konstruktions- und Erprobungszone empfohlen, zumal eine höherwertige Hardwareausstattung erforderlich ist.
Sofern die Computerarbeitsplätze mit PCs ausgestattet werden,  sind diese vorzugsweise entlang der Wänden platziert, was dem Lehrenden auch den Überblick erleichtert. Bei einer Ausstattung mit Laptops sind andere Anordnungen denkbar.  An diesen EDV-Arbeitsplätzen erfolgen alle vorbereitenden Arbeiten (Recherche, Programmierung, Dokumentation, Nutzung von Anwendersoftware). In der Konstruktions- und Erprobungszone wird die Modellhardware entwickelt, konstruiert, erprobt und ggfs. optimiert.
Theorie und Instruktion erhalten eine eigene Zone.
Erprobung und Präsentation kann jeweils am Arbeitsplatz (Computer, Konstruktionszone) und über Video-Vernetzung erfolgen.
Einen eigenen Bereich bilden die stationären oder teilmobilen Kleinmaschinen wie 3-D-Drucker, computergesteuerte Werkzeugmaschinen und multifunktionale Drucker.


MASCHINENRAUM

MaschinenraumDer Maschinenraum, über dessen Notwendigkeit im Raumsystem heute kein Zweifel mehr besteht, dient in erster Linie der Unterbringung stationärer Maschinen für die Bearbeitung von Holz, Kunststoff und Metall. In der Regel haben Schüler keinen unbeaufsichtigten Zutritt. Die Nutzung der Maschinen unterliegt grundsätzlich dem Maschinenschutzalter.
Zwischen Maschinenraum und Technikfachraum muss eine Sichtverbindung bestehen.
Optimal ist es, wenn (in mehrzügigen Schulen) neben dem Lehrermaschinenraum auch ein Schülermaschinenraum, realisiert wird, der mit für Schülerinnen und Schüler zugelassenen Maschinen ausgestattet ist.
Will man die unterschiedlichen Materialbearbeitungs- und Werkzeugmaschinen in einem Raum zusammenfassen, muss nicht nur aus Gründen der Arbeitssicherheit ausreichend Platz zwischen den Maschinen bestehen, sondern auch eine funktionelle Trennung der verschiedenen Werkstoffbereiche gegeben sein. 
Ist der Platz beschränkt, bietet es sich an, Maschinen und Geräte zur Metallbearbeitung in einem gesonderten Maschinenraum unterzubringen.

Ein besonders wichtiges Thema im Zusammenhang mit dem Arbeiten an Maschinen ist die Sicherheit. Die dafür erlassenen Vorschriften, vorgeschriebenen Sicherheitsvorrichtungen an Maschinen, Erste-Hilfe-Ausstattungen sind neben dem individuellen Schutz (Augen- und Gehörschutz)  unabdingbar.
Maschinenwerkzeuge, -zubehör und -vorrichtungen benötigen passende Unterbringungsmöglichkeit, die sowohl eine geordnete als auch schonende Lagerung (z.B. Sägeblätter, Hobelmesser, Drehstähle, Bohrer, Fräser) sowie deren Transport gewährleisten. Dass auch von dem Maschinenzubehör eine Verletzungsgefahr ausgehen kann, sollte immer bedacht werden.
Wenn möglich, sollte die Lagerung von Material im Maschinenraum weitgehenst unterbleiben. Ausnahmen bilden kleine Materialabschnitte, noch brauchbare Reste, für die aber, um eine chaotische Lagerung zu vermeiden, passende, nach Materialart und -größe getrennte Ablagemöglichkeiten geschaffen werden müssen. Gleiches gilt für Reste- und Abfallbehälter (möglichst fahrbar) für eine nach Materialsorten getrennte Ablage.
Große Wichtigkeit hat der Komplex der Absaugung und Entstaubung und zwar nicht nur, weil eine ausreichende Späne- und Staubabsaugung an  stationären Maschinen von den Unfallkassen vorgeschrieben wird, sondern auch aus Gründen der Arbeitshygiene und des persönlichen Arbeits- und Unfallschutzes. Dort wo Schweiß- und Lötarbeiten durchgeführt werden, muss zusätzlich eine Absaugung der Rauchemissionen (Schweißen) installiert sein, bei Lötarbeiten, wie sie normalerweise in der Schule anfallen, reicht meist ein gutes Durchlüften des Raumes.


SAMMLUNGS- UND VORBEREITUNGSRAUM

Sammlungs- und VorbereitungsraumIn einem medienintensiven Fach wie dem Technikunterricht ist für die geordnete Unterbringung der Fachmedien ein gesonderter Raum wichtig.
Es bietet sich an, diesen Raum auch als Vorbereitungsraum (Lehrerstützpunkt) für den Unterricht vorzusehen. Die Nähe zu den übrigen Fachräumen ist geboten.
Der Sammlungs- und Vorbereitungsraum ist eine Art “technisches Kabinett” und dient zugleich der Unterrichtsvorbereitung, der Fachverwaltung, der Unterbringung von teuren, speziellen Werkzeugen und Geräten, die nicht unbedingt Bestandteil des allgemeinen Fundus sind. Auch eine kleine Fachbibliothek kann hier untergebracht werden.
Eine räumliche Nähe zu den Technikfachräumen ist auch aus praktischen Erwägungen wünschenswert, jedoch nicht zwingend, soweit alle Räumen auf gleichem Niveau liegen (Transport von Medien, Realobjekten, usw.)..


BRENN- UND KERAMIKRAUM (optional)

Brenn- und Keramikraum

Unter der Überschrift “Brenn- und Keramikraum” ist der Ort gemeint, an dem neben dem (Haupt-)Werkstoff Ton z.B. auch Gips, Beton und sonstige Modelliermassen bearbeitet werden können.
Selbstverständlich können alle diese Werkstoffe auch im Technikfachraum bearbeitet werden, was jedoch seitens der Lehrkraft einen erhöhten Vorbereitungs- und Durchführungsaufwand und seitens der Schülerinnen und Schüler besondere Disziplin erfordert, um den Grad des Schmutzeintrags ins Schulgebäude möglichst klein zu halten.
Die Arbeit mit Ton, Gips, Beton und Modelliermassen verschiedenster Art stellt in der Regel erhöhte Anforderungen an die Vermeidung von übermäßigen Verschmutzungen. Insofern ist ein gesonderter Raum wünschenswert, der nur für die Bearbeitung dieser und ähnlicher Materialien vorgesehen ist. Da die Unterbringung eines Brennofens im Technikfachraum nicht mehr zulässig und im Lagerraum problematisch ist, braucht es einen Keramikraum mit installiertem Brennofen.

Daher ist ein gesonderter, auf die Bearbeitung dieser Werkstoffgruppen ausstattungsmäßig abgestimmter Brenn- und Keramikraum von Vorteil.
Ein solches Raumprogramm lässt sich allerdings meist nur an mehrzügigen Schulen realisieren, wobei die Belegungsfrequenz z.B. durch den Sach- und Kunstunterricht so erhöht werden kann, dass sich seine Einrichtung lohnt.
Die Praxiszone umfasst nahezu den gesamten Raum, einschließlich der Nasszone, die zur Aufbereitung von Ton und der plastischen Massen, zum Anrühren von Glasuren und für das Reinigen der Werkzeuge benötigt wird. Daher sind ausreichend große Becken mit mehreren Wasserentnahmestellen und einem Schlammfang unabdingbar.
An Werktischen sind nur solche mit einer wasserabweisenden Oberfläche, die sich gut feucht reinigen lässt, geeignet.
Für die Informations- und Instruktionszone reicht in der Regel eine konventionelle Wandtafel, transportable Projektionsgeräte können aus dem Fundus der Schule genommen werden.
Für die Unterbringung der Werkzeuge, Hilfsmittel und Vorrichtungen sind Schränke aus Blech (Feuchtigkeit) gut geeignet. Ton kann in dicht schließenden Tonkisten aufbewahrt werden. Hygroskopische Materialien wie Gips oder Zement, die aus der Luftfeuchtigkeit Wasser anziehen und über die Zeit abbinden, müssen in luftdicht schließenden Kunststoffbehältern untergebracht werden.
Die Brennzone besteht erst einmal aus dem Brennofen, der über eine funktionierende Abgasableitung verfügen muss, was bauseitige Installationsmaßnahmen erfordert. Trockenregale und solche für gebranntes Gut bilden mit dem Brennofen eine funktionale Einheit.


AUSSENBEREICH (optional)

AußenbereichEin Außenbereich (oder auch ‘Werkhof’) bietet sich für spezielle, stark schmutzende Arbeiten, Freiluftexperimente oder auch für solche Arbeiten an, bei denen eine gute Lüftung unbedingt gegeben sein muss. Ein solcher Außenbereich sollte vom ebenerdigen Fachraumbereich direkt zugänglich sein und gegenüber dem allgemein zugänglichen Pausenbereich abgeschirmt bzw. unzugänglich sein.
Der Außenbereich, der etwa 80 -100 qm umfassen sollte, ist direkt vom Technikfachraum zugänglich. Liegt der Technikbereich im Untergeschoss bildet die vorgelagerte Freifläche eine Art Hof mit umschließenden Böschungen.
Ein Werkhof erweitert das Spektrum technikbezogener Aufgabenstellungen wie z. B. solche zur Bautechnik, größere Montagen oder Demontagen oder Arbeiten, die aufgrund belästigender, ungesunder Emissionen (z.B. Verbrenungsmotor) nur außerhalb geschlossener Räume durchgeführt werden dürfen.
Die Ausstattung der Arbeitszone erfordert witterungsresistente Werktische. Oder diese sind transportabel und werden  im Innenbereich aufbewahrt und nur bei Bedarf in den Außenbereich gebracht. Alle weiteren, temporär benötigten Dinge können aus dem Fachraum genommen werden.

Aus Sicherheitsgründen sollten nach außen verlegte Strom- und Waseranschlüsse von innen  steuerbar sein. Die Nasszone sollte so dimensioniert sein, dass die Erprobung von Wasserfahrzeugen und Experimente mit Wasser möglich sind.
Da der Außenbereich unmittelbar an einen Technikfachraum anschließt, sind entsprechende Vorkehrungen erforderlich, den Schmutz- und Nässeeintrag ins Gebäude möglichst gering zu halten.
Der Bodenbelag sollte wasserdurchlässig bzw. wasserabsorbierend sein. Eine mobile Beschattung (Sonnensegel) wird empfohlen.
Darüber hinaus ist der Außenbereich auch der geeignete Ort, um einen Abfallbehälter für leicht brennbare Materialien (Leinöl-Lappen, …) aufzustellen.


LAGER/MAGAZIN

Bei dieser Räumlichkeit sollte besonders darauf geachtet werden, dass eine direkte Verbindung zu Maschinen- und Fachräumen gewährleistet ist. Aufgrund des spezifischen Material- und Bauteilebedarfs und der Verwendung spezieller Konstruktions- und Experimentalmedien, darf die Lagerfläche nicht zu knapp bemessen sein.

Besonderen Wert sollte auf die innere Organisation des Lagers/Magazins gelegt werden, wozu geeignete Regal- und Schranksysteme sowie Kleinbehälter für Bauteile und Kleinmaterialien Verwendung finden.
Für den Transport von Material und Medien sind Transportwagen vorzuhalten. Sehr empfehlenswert ist ein Zugang von Außen, um die Anlieferung sperriger Materialien zu erleichtern und um Verschmutzungen im Schulhaus zu vermeiden.
Ein Lager, das seine unterrichtsunterstützende Funktion erfüllen soll, bedarf eines entsprechenden Managements, das sowohl die Bevorratung mit Material, Hilfsstoffen und Bauteilen umfasst, als auch deren geordnete Bereitstellung. Ein solches bevorratendes Materialmanagement hat nicht nur einen ökonomischen Vorteil, weil größere Mengen angeschafft werden, sondern eröffnet auch die Möglichkeit größerer unterrichtlicher Flexibilität in einem problem-und handlungsorientierten Technikunterricht.
Nicht gering einzuschätzen ist der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten von in Arbeit befindlichen und fertiggestellten Schülerarbeiten, die nicht im Technikfachraum zwischengelagert werden sollten.
Wenig sinnvoll erscheint die nicht selten vorgenommene Sondernutzung, indem mangels eigener Räumlichkeit der Keramikbrennofen im Lager/Magazin installiert ist. Abgesehen von feuerpolizeilichen Bedenken aufgrund vorhandener brennbarer Lagerstoffe ist die vorgeschriebene Ableitung der Brenngase und eine vorschriftsmäßige elektrische Installation oft mit hohem Aufwand verbunden und während Zeiten des Brandes die Raum-Nutzung nicht möglich.


ÜBERLEGUNGEN ZUM TECHNIKUNTERRICHT IN DER PRIMARSTUFE

In dem Maße wie Unterricht zu Technik und Naturwissenschaften im Primarbereich an Bedeutung gewinnt, müssen hierfür sächliche Voraussetzungen geschaffen werden, um Technik in praktischen  Konstruierungsprozessen oder Naturwissenschaften im Experiment altersgerecht zu erschließen. Derartige Voraussetzungen sind in der Grundschule bisher eher selten gegeben.

Ein systematischer Technikunterricht ist im Primarbereich in der Bundesrepublik kaum anzutreffen. Dagegen finden sich in den meisten Bildungsplänen häufig fachintegrative oder kooperative Unterrichtsstrukturen, die entweder auf dem Modell des Sachunterrichts basieren (hier Teilbereich ‘Technik’) oder als Fach “Werken” mit technisch-konstruktiver oder formalästhetischer Praxis firmieren. Die nachfolgenden Vorschläge gelten für alle Spielarten technischen und ästhetisch gestaltenden Unterrichts im Primarbereich.

Für eine sachgerechte Durchführung des Unterrichts sind auch hier angemessene sächliche Voraussetzungen zwingend.

Dafür bieten sich aus heutiger Sicht drei Möglichkeiten an, um sowohl die technisch-konstruktiven, als auch die naturwissenschaftlich-experimentellen Zielsetzungen des Unterrichts erfüllen zu können: Technikunterricht im Klassenzimmer, im Mehrzweckraum oder im Fachraum.
Die Umsetzung hängt von den räumlichen Gegebenheiten der betreffenden Grundschule, deren sächlichen Ausstattung und ggfs. von Nutzungs- bzw. Kooperationsmöglichkeiten mit weiteren Fächern (Werken, Kunst), einem “erweiterten Bildungsangebot” und weiterführenden Schulen am Ort ab.
Im Folgenden wird der Fokus auf den Technikunterricht bzw. die Technikanteile des Sachunterrichts gelegt. Die darüberhinausgreifenden Sachunterrichtsinhalte bzw. der Werkunterricht sind jeweils mitgedacht.

Technikunterricht im Klassenzimmer

Bei dieser Lösung ist davon auszugehen, dass mit möglichst wenigen und unaufwändigen Maßnahmen eine Situation geschaffen wird, die die Durchführung von Technikunterricht ermöglicht. Es ist leicht zu erkennen, dass es sich hierbei um ein Provisorium handelt, mit dem sich nur Ausschnitte des Technikunterrichts thematisieren lassen. Aufgrund der räumlichen und eingeschränkten sächlichen Voraussetzungen sind lediglich wenig schmutzende, einfache handwerkliche Tätigkeiten und Konstruktionsaufgaben möglich. Mit Hilfe von robusten Abdeckplatten (Multiplex), die den Schülertisch möglichst vollflächig gegen Beschädigungen schützen und an die zusätzlich noch Hilfsvorrichtungen wie eine Spannzange, ein Laubsägetischchen oder ein Schraubstock  angebracht werden können, lässt sich eine provisorische Werkbank schaffen. Werkzeuge sollten ‘geblockt’ in Form von mobilen Werkzeugsets mit möglichst großer Bearbeitungsreichweite bereitgestellt werden.
Kleinmaschinen, wie sie auch von älteren Grundschülern bedient werden können, sind bei den gegebenen räumlichen Verhältnissen nahezu ausgeschlossen. Dagegen sind der Arbeit mit Konstruktionsbaukästen keine Grenzen gesetzt.
Für die Unterbringung der Abdeckplatten und auch der Schülerwerkzeuge  bieten sich verschließbare Rollcontainer mit entsprechenden Aufnahmen und Unterteilungen an, sodass eine strukturierte, auch von den Schülerinnen und Schülern zu bedienende Ordnung vorgegeben ist. Größere Mengen von Materialien und Bauteilen müssen bei dieser Lösung außerhalb des Klassenzimmers untergebracht werden. Auch für begonnene Schülerarbeiten und  für die Rollcontainer ist ein Unterbringungsort zu finden.

Technik im Mehrzweckraum

Mehrzweckräume, die inzwischen häufiger zum festen Bestand der Schulen gehören, bieten viele Möglichkeiten einer flexibilisierten, allgemeinen Nutzung durch verschiedene Fächer. Insbesondere gilt dieses für den Technikunterricht und die sachunterrichtlichen Fächer.
Ein Mehrzweckraum steht hinsichtlich seiner fachgebundenen Funktionalität zwischen dem Klassenzimmer und dem Fachraum. Seine Multifunktionalität bringt einerseits eine Erweiterung seiner Nutzungsmöglichkeiten mit sich, andererseits aber auch eine Einschränkung, da meist sehr unterschiedliche Fachbedürfnisse, die sich möglicherweise stören, befriedigt werden sollen.
Wichtig ist eine ausreichende Raumgröße, die  bei ca. 4 m² pro Schüler liegen sollte. Die Ausstattung für den Technikunterricht muss auch hier als mobile Ausstattung angelegt werden und kann sich, wenn die Raumgröße knapp bemessen ist, an den oben beschriebenen Kriterien und Ausstattungsvorschlägen für den Technikunterricht im Klassenzimmer orientieren.
Sollte der Raumzuschnitt großzügiger gestaltet sein, wird eine ausreichend große Schrankzone empfohlen, die allen Nutzern des Mehrzweckraumes zur Verfügung steht. Werkbänke mit abnehmbaren Spannzangen, die mittels Abdeckplatten zu Mehrzwecktischen umfunktioniert werden können, bilden das zentrale Mehrzweckmöbel. Stapelbare Hocker dienen ebenfalls der erwünschten Multifunktionalität dieses Raumes.
Der Bodenbelag sollte den Nutzungsanforderungen des Mehrzweckraums genügen, wobei  Böden der Rutschhemmungsklasse R 10 Verwendung finden müssen, die zugleich einen möglichst großen “Verdrängungsraum” gegenüber gleitfördernden Stoffen haben. Bewährt haben sich diesbezüglich so genannte Flachnoppenböden aus Gummi oder PVC. Wände, Decken und auch Böden sollten möglichst schallabsorbierend ausgeführt sein.

Technikunterricht im Fachraum

Die beste aller Möglichkeiten ist sicher die eines eigenen, grundschulspezifischen Technikfachraums. Im Grundsätzlichen folgt seine Anlage und Ausstattung den Kriterien des (Universal-)Technikfachraums für die Sekundarstufe, wenn auch mit einigen, schulstufenspezifischen Einschränkungen und Reduktionen. Die Funktionsstruktur des Technikfachraums kann  übernommen werden, jedoch braucht es sicher nicht den gesamten Umfang des Fachraumsystems. Neben dem Technikfachraum wäre noch ein Lagerraum wünschenswert.
Was die Möblierung betrifft, so haben sich auch für die Grundschule Zweier-Werkbänke bewährt, da sie leichter  zu Vierer- oder gar Sechser-Werkbänke umgruppiert werden können. Sie sollten höhenverstellbar und auf diese Weise auch für Rollstuhlfahrer geeignet sein. Stapelbare Hocker dienen als Sitzgelegenheit. An festinstallierte Schrankmöbel, möglichst Hochschränke mit erweiterten Staumöglichkeiten, und fachgerechten, verstellbaren Einteilungen für Werkzeuge im Blocksystem, Vorrichtungen, Kleinmaterialien, Hilfsstoffen und Bauteilen sollte nicht gespart werden.
Eine Reihenwerkbank zur Aufstellung von für Grundschüler geeigneten Kleinmaschinen,  hand- oder akkubetrieben, haben dort ihren Platz. Unter der Reihenwerkbank befindet sich weiterer Stauraum für größere Materialzuschnitte und/oder Wertstoff- und Abfallcontainer.
Eine Informations-, Demonstrations- und Instruktionszone vor der Klapp-/Schiebetafel sollte nicht fehlen. An diesen Ort gehört auch ein Lehrertisch mit einer Werkbankplatte.


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